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Hallo Firefall Community,


wir sind stolz, euch die erste Episode unserer neuen Kurzgeschichten-Reihe „In der Offensive“ zu präsentieren zu dürfen. Die Angriffe der Chosen nehmen zu, das Melding wird ein immer größeres Problem und die Zukunft und das Überleben der Menschheit wird von Tag zu Tag ungewisser. Wenn es einen Menschen gibt, der das Blatt wenden kann, dann ist es Accord Offizierin Alexis Briggs.

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Major Alexis Briggs – Inoffizieller Bericht

Am 28. September 2233, circa 18:00 Uhr, fielen Accord Tech-Ops einer systematischen, gut organisierten Attacke zum Opfer. In einer koordinierten, zwei-stufigen Offensive landete ein Chosen Zug am Rande der Kratersenke, während gleichzeitig ein Cyber-Angriff direkt ins Herz des Accord Hauptquartieres durchgeführt wurde.


Frühere Chosen Übergriffe konnten bestenfalls als mangelhaft organisiert bezeichnet werden, aber in diesem Fall gingen sie äußerst geschickt vor: Die Infiltration des Accord Operationszentrums, verschleiert durch einen zeitgleichen Angriff der Frontlinie. Auch wenn es mi,r gelang, den Chosen Vormarsch im letzten Moment aufzuhalten, ist die Tatsache, dass unser SIN-Hauptcomputer gehackt werden könnte, extrem äußerst besorgniserregend.
Offizielle Berichte stellen den Vorfall als technische Störung dar, aber es war eindeutig ein geplanter Angriff auf das Accord Hauptquartier. Für einen kurzen Moment wurden nahezu alle primären Accord Systeme, einschließlich der Meldingverdänger-Matrix, durch eine unbekannte Quelle deaktiviert. Niemand kann sagen, ob der Crystitkern der Arclight allein das Melding zurückhalten kann. Jeder Schlag gegen unsere Meldingverdränger ist eine direkte Gefahr für unser Überleben – sie sind wortwörtlich das einzige, was zwischen uns und dem Melding steht. 

 
Der Absturz der Arclight liegt nur fünf Monate zurück, aber mit jedem Tag wächst die Anzahl der Chosen. Sie werden stärker, sie werden klüger. Ich fürchte, dass dies nur der Anfang ist...

Vor einer Woche gab es eine einzelne, kleine Störung in einem Accord Netzwerk – zumindest den offiziellen Meldungen nach. Was der Öffentlichkeit als unbedeutender Fehler in einem Reservesystem verkauft wurde, hätte um ein Haar das gesamte Accord in die Knie gezwungen. Auch wenn es verwerflich erscheinen mag, die Wahrheit vor den Zivilisten zu verbergen, die wir beschützen, zu verbergen, –ist es in diesen Zeiten ist es leider absolut nötig. Ehrlichkeit ist ein nobler Charakterzug, aber eine ausgedehnte Panik ist das letzte, was wir gerade gebrauchen können.


Furcht hat die besondere Eigenschaft, sich über die Seelen der Mutlosen zu legen und dort in Zeiten der Verzweiflung zu wachsen und zu gedeihen. Obwohl es seit über sechzig Jahren die dominante militärische Macht auf der Erde ist, ist auch das Accord nicht immun gegen die Einflüsse von Furcht. Unsicherheit ist ohne Frage dabei, unsere Ränge zu infiltrieren – wenn die Kern-Netzwerke des Accords derart verletzlich sind, dann ist das Überleben der Menschheit wahrlich in Gefahr.


Trübsinnig starre ich ins Leere und versuche die negativen Gedanken zu unterdrücken, die durch mein Gehirn wandern. Wenn es nach mir ginge, dann wäre ich da draußen im Feld, so wiewo es ich die meiste Zeit meiner Laufbahn über war. Seit den vergangenen 72 Stunden ist mein Dienstort allerdings ein Schreibtisch geworden. 


Das weiß-gestrichene Büro im administrativen Flügel des Accord Hauptquartiers ist hübsch eingerichtet, fühlt sich aber trotzdem eher wie eine Gefängniszelle an. Hochrangige Beamte sitzen in geheimen Besprechungen, deshalb wurde ich dazu abkommandiert, Schreibtischtäter „Papierschubse“ zu spielen. Ich kann die Oberfläche des Tisches kaum sehen, so viele Ordner mit militärischen Berichten und Bestandsbücher sind darauf gestapelt.
Vom Hof her kann ich einige Stimmen hören, deshalb erhebe ich mich aus meinem bequemen Bürostuhl und gehe zum Fenster. Ich schaue zu, wie ein Trupp junger Rekruten im Kreis läuft, gefolgt von einem Kommando-brüllenden Ausbilder. 


Als ich auf den militärisch-akkurat gestutzten Rasen schaue, fällt mir meine eigenes Reflektion Spiegelbild in der kugelsicheren Fensterscheibe auf. Jede Narbe in meinem Gesicht hat ihre eigene Geschichte, zeugt von ihrem eigenen Kampf. Und schon schweifen meine Gedanken an Erinnerungen vergangener Tage ab.


In all den Jahren, die ich schon im Militär diene, habe ich niemals meine Bestimmung aus den Augen verloren. Meine Direktive, als Mitglied des Accords, ist es, stets nach Höherem zu streben und die Hoffnung wieder aufleben zu lassen, wie zu Zeiten vor dem Arclight Absturz und vor dem Firefall. Der nicht endend wollende, grausame Vormarsch der Chosen auf Neu Eden stellt jedoch auch meine Entschlossenheit langsam auf die Probe.
Egal wie entschlossen wir sind, egal wie bereit für die nächste Schlacht, die Chosen werden weiter kämpfen. Was, wenn sie die Meldingverdränger-Matrix erfolgreich ausgeschaltet hätten? In Sekunden wäre Trans-Hub vom Melding verschluckt worden und niemand wäre lebend davongekommen. Neu Eden mag eine Zuflucht vor dem Melding sein, eine Oase inmitten der tödlichen Wolke, die sich über den Planeten gelegt hat, aber wie lange noch? Wie lange wird das Accord es schaffen, das Land gegen die Chosen Bedrohung zu verteidigen?


Ein schmerzend lauter, elektronischer Pfeifton ertönt aus der Sprechanlage und reißt mich aus meinen Gedanken


„ACHTUNG MAJOR BRIGGS“, plärrt es aus dem Lautsprecher, „MELDEN SIE SICH SOFORT BEIM ZENTRALKOMMANDO.“
„Ich glaube, das ist mein Stichwort“, flüstere ich leise, während ich ein letztes Mal auf mein verschwommenes Spiegelbild schaue und vom Kopf abstehende Strähnen mit einer Haarklemme bändige. Ich verlasse mein Büro und schreite durch die labyrinthartigen Flure in Richtung des Accord Strategie und Planung Epizentrums. 


Unbeweglich wie eine Statue steht eine Wache neben den verstärkten Doppeltüren. „Major Alexis Briggs, meldet sich—“ Er unterbricht mich: „Hier entlang Ma’am“, dann öffnet er die Türen und signalisiert mir, einzutreten. Er begleitet mich, bis wir am Kommandozentrum ankommen. Der Raum ist düster, was ungewöhnlich ist. Eine einzelne Lichtquelle schwingt über meinem Kopf langsam über meinem Kopf hin und her und transformiert den Raum in eine Ansammlung formloser Schatten. 


„Setzen Sie sich.“ Die Stimme entspringt irgendwo aus der Tiefe des Raumes. Meine Augen versuchen, die Dunkelheit zu durchdringen, doch ich kann keine Details ausmachen. Ich setze mich auf einen einzelnen Stuhl, der von zwei bewaffneten Wachen flankiert wird. Das ist nicht gut.